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"Bremen-Ansichten von Rudolph Stickelmann und Susanne Frerichs", Fotoausstellung im Staatsarchiv Bremen 2011/2012

Die Ausstellung ist in fünf Abschnitte unterteilt:

  • Rund um den Marktplatz
  • Östliche Vorstadt
  • Bahnhofsvorstadt bis Oberneuland
  • Stephaniviertel bis Hafen
  • Links der Weser

In den einzelnen Abschnitten finden Sie jeweils eine Bildergalerie sowie im Anhang nähere Erläuterungen der Aufnahmen.

Rund um den Marktplatz

Bilderläuterungen

01/02 – Der Marktplatz – die „gute Stube“ – ist seit den 1970er Jahren Teil der Fußgängerzone. Die Straßenbahnführung hat sich erheblich verändert: Die Strecke über Wachtstraße-Marktplatz-Domshof wurde vollständig auf die Strecke über die Domsheide verlegt. Die Neue Börse wurde 1861/64 erbaut und brannte im Dezember 1943 ab. Noch ganze zwölf Jahre blieb die Ruine stehen, bis die Stadt 1956 schließlich das Gelände von der Handelskammer erwarb und dort nach langen und kontroversen Diskussionen bis 1966 das Bürgerschaftsgebäude nach Plänen des Architekten Wassili Luckhard erbauen ließ.

03 – Der Liebfrauenkirchhof war bis 1813 Begräbnisplatz. Auf dem nach Aufhebung der Gräber frei werdenden Platz fand bis 1913 ein Teil des Freimarktes statt. Der Ratskeller besteht aus zahlreichen Räumen, die sich über eine Fläche von 5.000 m² unterhalb des Alten und Neuen Rathauses, des Liebfrauenkirchhofs und Domshofs erstrecken. Er geht in seinen Ursprüngen auf die Erbauung des Alten Rathauses 1405/07 zurück – und ist somit einer der ältesten Weinkeller Deutschlands. Der äußere Schmuck des 1900/02 nach Plänen des Architekten Johann Georg Poppe erbauten Verwaltungsgebäudes der Baumwollbörse an der Wachtstraße wurde nach dem 1. Weltkrieg zurückgebaut und der Bau um zwei Stockwerke erhöht – somit verschwand auch der imposante Turm. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Liebfrauenkirchhof wurde 1893 eingeweiht und fiel 1942 der sogenannten Metallspende zum Opfer.

04 – Der 1404 entstandene steinerne und ursprünglich bunt bemalte Roland steht als Symbol für die Freiheit der Stadt und ihrer BürgerInnen. Rudolph Stickelmann hat dieses Motiv übrigens so wie abgebildet nicht fotografieren können. Vielmehr hat er getrickst, indem er zwei Aufnahmen übereinander belichtet und retuschiert hat. Betrachten Sie den Bogen einmal genauer!

05 – Das alte Stadthaus entstand 1818 auf dem Areal des zwei Jahre zuvor abgerissenen erzbischöflichen Palatiums nach Entwürfen des Baukonduktors Nicolaus Blohm. In dem klassizistischen Bau waren Behörden, Gerichte und die Polizei untergebracht. 1909 musste das Gebäude dem am 16. Januar 1913 eingeweihten Neuen Rathaus weichen. Der Neptunbrunnen wurde 1991/92 vom Bildhauer Waldemar Otto errichtet.

06 – Der Zusammenschluss mehrerer literarischer und naturwissenschaftlicher Gruppen zur „Gesellschaft Museum“ geht auf das Jahr 1783 zurück. Sitz des „Museums“ war seit 1808 ein klassizistisches Gebäude am Domshof Ecke Schüsselkorb, welches 1873/75 durch dieses Bau-werk im italienischen Renaissancestil ersetzt wurde. 1931 ging die mittlerweile so genannte „Gesellschaft für Literatur und Geselligkeit“ im „Club zu Bremen“ auf. Das Gebäude brannte 1942 aus.

07 – Schon im 14. Jahrhundert waren in der Böttcherstraße Bootsbauer ansässig, später war es die Straße der Fassmacher. Einst war sie eine wichtige Verbindung zwischen Markt und Weser, verlor jedoch durch die Verlegung des Hafens ab 1888 an Bedeutung. 1902/04 kaufte der Kaffeekaufmann Ludwig Roselius das Haus Böttcher-straße Nr. 6, ein später nach ihm benanntes Speicherhaus, und legte so den Grundstein für das in den 1920er Jahren geschaffene Ensemble.

08 – Die etwa 300 m lange Sögestraße zwischen Herdentor und Obernstraße findet ihre erste Erwähnung um das Jahr 1229. Seit dem 19. Jahrhundert eine beliebte Einkaufsstraße wurde sie in den 1970er Jahren zur Fußgängerzone ausgebaut. Früher wurden vermutlich Schweine durch diese Straße und das Herdentor hinaus auf die Bürgerweide getrieben, daher der Name (Söge = Schwein, Sau). Das daran erinnernde Denkmal "Schweinehirt mit seiner Herde" des Bildhauers Peter Lehmann wurde 1974 aufgestellt. Im Hintergrund rechts ist der imposante Turm des 1907 an der Papenstraße erbauten und 1968 abgerissenen Lloydgebäudes zu sehen.

09 – Seit 1932 steht an der Obernstraße Ecke Sögestraße das Haupthaus der Firma Karstadt und ergänzt das bereits 1912 errichtete Gebäude an der Sögestraße Ecke Pelzerstraße. Für den Neubau an der Obernstraße mussten eine ganze Straße (die Kreyenstraße) sowie zahlreiche kleinere Wohn- und Geschäftshäuser weichen.

10 – Der Name „Obernstraße“ bezieht sich auf die Lage auf der Dünenhöhe, die sich von der Altstadt entlang der Weser bis Bremen-Nord erstreckt. Anfang des 19. Jahrhunderts noch vorwiegend eine Wohnstraße entwickelte sie sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu Bremens Haupteinkaufsstraße.

11 – Die Kirchturmspitze des gotischen Prachtbaus aus dem 14. Jahrhundert war 1797 zentraler Punkt der ersten bremischen Landvermessung und diente Carl Friedrich Gauß 1824 als trigonometrischer Vermessungspunkt zur Bestimmung der Erdkrümmung. Die Kirche wurde 1944 zerstört; heute befindet sich auf diesem Platz ein Einkaufszentrum.

12 – 1902, ein Jahr nach Öffnung, verfügte die „Volksbücherei“ über rund 10.000 zu entleihende Bücher und 8.000 Mitglieder. Aus finanziellen Gründen wurde sie 1921 kurzzeitig geschlossen und 1922 im Keller der Staatsbibliothek am Breitenweg wiedereröffnet. 1947 ging aus ihr und den zahlreichen Zweigstellen die Stadtbibliothek hervor.

13 – Die Langenstraße („longa platea“) ist eine der ältesten Straßen Bremens. Sie beherbergte bis ins 19. Jahrhundert zahlreiche Kaufmannskontore. Das später so genannte Essighaus wurde 1618 erbaut. 1828 kaufte der Bierbrauer Conrad Büchner das schmale prächtige Giebelhaus. Dieser produzierte auch Weinessig. Der Name „Essighaus“ hielt sich im kollektiven Gedächtnis der Stadt, obwohl sich hier später ein Weinhandelskontor und ein Restaurant befanden. Im 2. Weltkrieg wurden das Gebäude wie auch weite Teile der Langenstraße zerstört, jedoch nach 1956 wieder aufgebaut. Hierzu fanden die Fassade des erhalten gebliebenen Erd-geschosses sowie Teile des abgebrochenen Caesarschen Hauses am Domshof Verwendung.

14/15 – Die Uferpromenade auf der Altstadtseite unterhalb der Wilhelm-Kaisen-Brücke war bis in das 19. Jahrhundert der Haupthafen der Stadt. Schon im 18. Jahrhundert standen hier Lager- und Kontorhäuser, in deren Untergeschossen häufig Kaffee- oder Weinschänken zu finden waren. Mit der Verlagerung des Hafens seit Ende der 1880er Jahre „verödete“ die Schlachte zur Anlegestelle für kleinere Passagierschiffe.

16 – Die vermutlich wegen ihrer Form so genannte „Glocke“ war ursprünglich ein turmartiges Gebäude an der Südseite des St.-Petri-Doms und über einen Gang mit diesem verbunden. Unter anderem wurden hier Beratungen des Domkapitels, nach 1648 Hofgerichts-versammlungen abgehalten. 1803 wurde das nunmehr auch Kapitelhaus genannte Gebäude zusammen mit dem Domgebiet bremisch. Zunächst als Hauptschule, dann für Gerichts- und Deputationssitzungen sowie für die Verwahrung von Akten genutzt, befand es sich seit 1857 im Besitz des Künstlervereins. 1926-28 wurde es nach einem Großbrand als Konzerthaus neu aufgebaut. In den 1990er Jahren wurde die Glocke liebevoll renoviert, so dass auch die vielgerühmte Akustik erhalten blieb.

17 – Der rechte Seitenarm der Weser, die Balge, verlief im Bereich der Altstadt südlich des Marktplatzes und diente im Mittelalter als Hafen. Nach zunehmender Versandung wurde im 19. Jahrhundert auch das letzte Rinnsal an der Balgebrückstraße zugeschüttet. Der Verlauf der Balge wird heute in der Straßenpflasterung abgebildet. Durch die Balgebrückstraße führt nunmehr der Verkehr zur Wilhelm-Kaisen-Brücke – damit löst sie die parallel verlaufende Wachtstraße ab, die bis 1960 den Zugang zur damaligen Großen Weserbrücke bildete.

18 - Ein Hauch von Venedig – die „Bremer Seufzerbrücke“. Schon lange ist dieser Übergang vom Polizeihaus zum Gerichtsgebäude ungenutzt, da sich nunmehr die Stadtbibliothek in den Räumen des Polizeihauses befindet. Der Blick geht auf "Die Straße vor dem Osterthore".

19 – Der Hurrelberg (vermutlich von Hurleberg = Hurenberg) – ein seit dem 15. Jahrhundert ursprünglich hinter dem Markt an der Hakenstraße liegendes Gefängnis. Nach dessen Schließung 1835 wurde der Name auf den Ravensturm – ein Festungsturm und Gefängnis am Ostertorwall – übertragen. Zu diesem Turm gehörte auch dieses kleine, für den Gefängniswärter reservierte Häuschen. Der Turm wurde 1903 anlässlich des Baus des Polizeigebäudes abgerissen.

20 – Im 1872/73 eingerichteten altsprachlich-humanistischen Gymnasium haben neben Johann Smidt (Bürgermeister, Begründer Bremerhavens), Fritz Overbeck (Worpsweder Künstler), Ludwig Quidde (Historiker, Politiker, Friedensnobelpreisträger) und Karl Carstens (Bundespräsident 1979-84) noch viele weitere helle Köpfe ihren Schulabschluss gemacht. Jetzt lernen hier die StudentInnen des Fachbereichs Musik der Hoch-schule für Künste. Das Alte Gymnasium zog 1987 an die Kleine Helle.

21 – Im Schnoorviertel (Schnoor = Schnur) lebten traditionell Schiffshandwerker und Flussfischer. Durch die engen Gassen ist es für motorisierten Ladeverkehr kaum passierbar, wodurch wenig Raum für Entwicklung blieb. In den 1950er und 60er Jahren liebevoll restauriert wandelte sich das Viertel zu einem touristischen Anziehungspunkt.

22 – Die Klosterstraße, benannt nach dem bei der Johanniskirche gelegenen ehemaligen und bereits 1834 abgerissenen Franziskanerkloster, verlief vom Tiefer zur Balgebrückstraße und verschwand Anfang der 1960er Jahre mit dem Neubau der Großen Weserbrücke. Das Geschäftshaus „Eschenhof“ wurde, ebenso wie das im Bild links angedeutete vom Architekten Albin Zill 1909 erbaute Gebäude des Staatsarchivs und Standesamtes, im Februar 1945 durch Bomben zerstört.

23 – Das Polizeihaus wurde 1907/08 nach Plänen des Architekten Carl Börnstein im Neorenaissancestil an der Stelle des alten Unionsge-bäudes erbaut. Im 2. Weltkrieg ging der linke Giebel an der reprä-sentativen Ostseite des Gebäudes verloren, nach dem Krieg – aus Gründen der Symmetrie – auch der rechte. Nach Umzug der Poli-zeiverwaltung in die Vahr, wurde das Innere des Gebäudes 2004 zum neuen Standort für die Zentralbibliothek der Stadt umgestaltet.